Essen: Genuss hat seinen Preis
Für die meisten Menschen ist die Nahrungsaufnahme sprich der
Verzehr von Speisen reine Genusssache. Es wird gegessen was
schmeckt. Manchmal kommen zwar zu viele „ungesunde“ Speisen auf den
Tisch, beispielsweise Fast Food aus den hiesigen amerikanischen
Ketten, oder schlicht weg zu viele Süßigkeiten. Doch für viele
Menschen bedeutet Essen nicht den unbedachten Verzehr sämtlicher
Lebensmittel. Finanziell schlecht gestellte Personen, meist
arbeitslos, müssen in der Regel auf Restaurantbesuche und ähnlichem
verzichten. Doch auch das Kochen in den eigenen vier Wänden kann
zur finanziellen Belastungsprobe werden. Ein besonders schweres Los
haben die heutigen Hartz4 Bezieher gezogen. Mit gut 130 Euro im
Monat sollen sich diese ernähren. Eine Frechheit und unmögliche
Forderung sei dies, so viele Betroffene. Und es stimmt, es ist
schwer sich von ausgerechnet 4,4 Euro am Tag zu ernähren, aber zwei
arbeitslose Männer machten es sich zur Aufgabe, ein Kochbuch für
genau diese Personengruppe zu erstellen: Das HartzIV
Kochbuch.
Konzept und Entwicklung
Zunächst stellten die beiden Autoren (Uwe Glinka und Kurt Meier) des „Kochbuches für Arme“ eine Liste von 28 preiswerten und einfachen Gerichten zusammen, immer den Regelsatz von 4,4 Euro pro Tag im Blickfeld. Doch die Suche nach einem passenden Verlag beziehungsweise Vertrieb, der sich bereit erklärte, diese Marktidee zu unterstützen, gestaltete sich schwierig. Selbst die Verbraucherzentrale verneinte die Anfrage auf eine Zusammenarbeit mit den beiden Jungautoren. So traten sie den Weg zur Presse an: In der RTL-Show „Stern TV“ stellten sie erstmals ihr Projekt vor. Außerdom boten sie den Nutzern des Internets den kostenlosen Download der gesammelten Rezepte auf der Homepage der Sendung an. Die Resonanz war enorm: Tausende E-Mails mit Danksagungen, positiven Kommentaren und Anfragen nach weiteren Rezepten folgten.
Schließlich erklärte sich doch ein Verlag bereit, das Projekt mit den beiden Ex-Arbeitslosen zu starten. Doch bei den 28 Rezepten sollte es nicht bleiben: So wurde eine Ansammlung von Rezepten, angefangen beim Frühstück über das Mittagessen bis hin zum Abendbrot, erstellt.
Nachdem die ersten Exemplare gedruckt waren, wurden diese im
Berliner Stadtteil Mahrzahn in einer Jugendeinrichtung verteilt.
Dort wurden den Jugendlichen auch das Kochen mit preisgünstigen
Lebensmitteln und der Umgang mit solchen beigebracht. Nun sollten
die Kinder das erlernte Wissen an die Eltern zu Hause
weitergeben.
Das HartzIV-Kochbuch wurde schnell populär und so wurden aus den
arbeitslosen Hobbyköchen bekannte Autoren des Kochbuches für Arme.
Ihre Geschichte ist sogar soweit verbreitet, dass ein
amerikanisch-deutscher Fernsehsender diverse Anfragen über Filme
und Dokumentationen stellte!
Doch wie auch immer, die Zwei sind bescheiden geblieben und
leben noch immer in ihrer Heimat. Das Projekt habe sie aus der
Misere gebracht, untätig den Tag zu hause dahin zu vegetieren, aber
den finanziellen Durchbruch habe ihnen das Buch nicht erbracht, so
die Schreiberlinge. Dieses kostet zurzeit um die neun Euro und ist
ein echter Ratgeber. Denn nicht nur Menschen, die sich vom
HartzIV-Regelsatz ernähren müssen, kochen die Rezepte mit
Begeisterung nach, auch viele Studenten und Senioren, sprich
Personen mit schmalerem Geldbeutel erfreuen sich an diesem
Buch.
Und wer weiß: Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage und den
ansteigenden Arbeitslosenzahlen, wird vielleicht auch der Bedarf an
solchen Produkten wachsen.
